von Nikhil Ramburn und Sat Bir S. Khalsa, Ph.D.

Multiple Sklerose (MS) ist eine chronische Krankheit mit unvorhersehbarem Verlauf, gekennzeichnet durch Entzündung und Neurodegeneration des zentralen Nervensystems, insbesondere Demyelinisierung (Nervenzellen im Gehirn sind mit Myelin umhüllt, das die Zellen isoliert und schützt und hilft, die Nervenübertragung zu beschleunigen). Diese Prozesse verursachen Symptome wie Schmerzen, Muskelkrämpfe, Steifheit, Krämpfe und Müdigkeit. Stress ist ein erschwerender Faktor, der die Demyelinisierung verschlimmert. Diese Störung ist eine Autoimmunerkrankung (bei der das körpereigene Immunsystem tatsächlich gegen seine eigenen Zellen und Gewebe arbeitet) und der dafür verantwortliche Auslöser ist unbekannt. Wie bei den meisten Autoimmunerkrankungen sind weibliche Patienten 2- bis 3-mal häufiger betroffen als Männer. MS ist die dritthäufigste Ursache für Behinderungen in den Vereinigten Staaten bei Personen im Alter von 15 bis 50 Jahren. Die vorzeitige Morbidität und der Produktivitätsverlust durch diese Behinderung führen zu erheblichen finanziellen Belastungen für den Patienten, die Familie und das Gesundheitssystem. Die Lebensqualität eines Menschen wird ebenfalls durch eingeschränkte Mobilität, chronische Schmerzen und beeinträchtigte soziale Kognition beeinträchtigt, was wiederum häufig zu vermindertem Selbstwertgefühl, Angstzuständen und Depressionen führt. Leider ist die pharmakologische Behandlung nur mäßig wirksam und mit schwerwiegenden Nebenwirkungen wie Psychosen, Krampfanfällen und Hirnschäden verbunden. Andererseits ist die konventionelle Psychotherapie ein wertvoller Bestandteil der MS-Behandlung, da sie den Patienten helfen kann, chronische Belastungen zu reduzieren und gleichzeitig die psychosoziale Funktion zu verbessern.

Um chronischen Stress zu bewältigen, haben einige Patienten ergänzende Therapien wie Mindfulness Based Interventions (MBIs) praktiziert, die zu Verbesserungen der Lebensqualität, Depression und Müdigkeit geführt haben. Das bekannte Mindfulness-Based Stress Reduction Programm (MBSR) und andere MBIs sind in den letzten 30 Jahren immer beliebter geworden, um verschiedene Aspekte chronischer Krankheiten zu bewältigen. Obwohl veröffentlichte Forschungsstudien zu MBIs bei MS rar sind, zeigte eine Überprüfung aus dem Jahr 2014 auf der Grundlage von 3 Studien von guter methodischer Qualität mit insgesamt 183 Patienten Verbesserungen der psychischen Gesundheit und körperlicher Parameter wie Müdigkeit. Die vorteilhaften Wirkungen einer Achtsamkeitspraxis können mit einer Abnahme der emotionalen Dysregulation und der Stressbewältigung zusammenhängen, wie sie bei niedrigeren Spiegeln des Stresshormons Cortisol beobachtet werden. Es gibt starke Hinweise auf eine verbesserte Aktivität und eine hohe Adhärenz sowie eine Verringerung der Patientenermüdung aufgrund der Physiotherapie. Es gibt jedoch derzeit keine endgültigen Beweise für die Auswirkungen von körperlicher Betätigung auf die Kognition bei Patienten mit MS.

Yoga kann sich auch als praktikable ergänzende Therapie für MS erweisen, da es sowohl die Vorteile von körperlicher Aktivität als auch von Meditation bietet und auch die Atemregulierung umfasst, die bekanntermaßen eine nützliche Strategie zur Schmerzbehandlung ist. Darüber hinaus fördern traditionelle Formen des Yoga die Kultivierung von Bewusstsein, Einsicht und Spiritualität, was Patienten bei der Bewältigung chronischer Schmerzen weiter helfen kann. Tatsächlich hat sich gezeigt, dass Yoga genauso vorteilhaft ist wie die Aerobic-Übungstherapie und für einige MS-Patienten praktischer sein kann, da es sich um eine Form der Übung mit geringen Auswirkungen handelt. Yoga als therapeutische Intervention ist heute bekannt dafür, Ergebnisse wie Selbstwirksamkeit, psychische Gesundheit und Lebensqualität bei einer Vielzahl von Erkrankungen zu verbessern, und ist daher ein praktikabler Interventionskandidat für MS-Patienten und wurde als solcher bewertet.

Die erste Literaturrecherche und Metaanalyse von Studien zu Yoga bei MS untersuchte sieben randomisierte Kontrollstudien (RCTs) mit insgesamt 670 Patienten. Diese Überprüfung aus dem Jahr 2014 wurde von deutschen Forschern und einem Forscher der Mashad University of Medical Sciences im Iran durchgeführt und zeigte kurzfristige Vorteile von Yoga bei Müdigkeit und Stimmungsergebnissen. Darüber hinaus berichteten die Teilnehmer der Yoga-Gruppe im Vergleich zu den Probanden der üblichen Pflege- oder Bewegungsbehandlung von weniger Exazerbationen der Multiplen Sklerose. Die aktuelle Forschung muss jedoch noch die Auswirkungen von Yoga auf objektivere, von Ärzten bewertete Ergebnisse wie Mobilität und kognitive Funktion bei Patienten mit MS hervorheben, und es gibt eine potenzielle methodologische Verzerrung in den bisherigen Studien. Trotz dieser Einschränkungen gibt es ermutigende Beweise dafür, dass Yoga bei der Verbesserung sowohl der von Patienten berichteten als auch der von Ärzten bewerteten Ergebnisse genauso wirksam ist wie herkömmliche Übungsinterventionen.

Die erste randomisierte Kontrollstudie zu Yoga bei MS wurde 2014 veröffentlicht und untersuchte eine 6-monatige Yoga-Intervention bei 69 Probanden, die randomisiert einer von drei Gruppen zugeteilt wurden: Yoga, Bewegung oder einer Kontrollgruppe. Wöchentliche 90-minütige modifizierte Iyengar-Yoga-Kurse beinhalteten Haltungen, einschließlich Unterstützung durch Wände und Stühle, um Ermüdung, Spastik und Kleinhirnfunktionsstörungen des Patienten Rechnung zu tragen. Der Unterricht betonte Atmung, Entspannung und Meditation während der Sitzung, und die Teilnehmer wurden auch nachdrücklich ermutigt, sich an eine tägliche Heimpraxis zu halten. Die Ergebnisse zeigten, dass das Yoga-Programm die Ermüdung im gleichen Maße wie traditionelles Training verbesserte und das gleiche Maß an Adhärenz wie das Training hatte.

Eine neuere Pilotstudie, die in einem Neurorehabilitationszentrum in Deutschland durchgeführt wurde, bewertete die Wirkung eines 3-wöchigen Programms aus integriertem Yoga und Physiotherapie (IYP) bei 11 Patienten. Die Teilnehmer erhielten an 5 Tagen in der Woche für jeweils 5 Stunden eine Intervention, die aus yogischen Körperhaltungen, Pranayama und Meditationen zusammen mit Techniken der Physiotherapie (PT) bestand. Die Forscher stellten eine signifikante Verbesserung der visuellen Reaktionszeit sowie der Auswirkungen auf die psychische Gesundheit wie Depressionen und Angstzustände fest. Leider wurden in dieser Studie die Wirkungen von Yoga und Physiotherapie nicht separat bewertet und sie war durch eine kleine Stichprobengröße und das Fehlen von Langzeit-Follow-up-Daten begrenzt. Eine weitere 2016 veröffentlichte Studie berichtete über die Auswirkungen eines sechsmonatigen Yoga-Programms, das am College of Physical Education in Campinas, Brasilien, entwickelt wurde. Insgesamt 12 Frauen, die keine vorherige Erfahrung mit Yoga hatten, wurden entweder einer Kontroll- oder einer Yoga-Trainingsgruppe zugeteilt, wo sie wöchentlich 60-minütige Yoga-Kurse erhielten. Die Forscher berichteten nur in der Yoga-Gruppe von einer signifikanten Verbesserung der Messungen des posturalen Gleichgewichts. Wichtig ist, dass Verbesserungen durch die Yoga-Intervention besonders bei Patienten mit einer höheren Punktzahl auf der Skala für den Behinderungsstatus deutlich wurden, was die Machbarkeit für diese Population hervorhebt.

Zusammenfassend haben die bisherigen Studien eine starke kurzfristige und moderate langfristige Wirksamkeit von Yoga bei der Linderung von Symptomen bei MS-Patienten ohne signifikante nachteilige Nebenwirkungen gezeigt. Zukünftige Forschung sollte Veränderungen der Immunparameter bewerten und untersuchen, welche Komponenten der Yoga-Praxis die größte Wirksamkeit zur Verbesserung des Behandlungsergebnisses bieten könnten. Darüber hinaus sind Kosteneffektivitätsanalysen erforderlich, um die praktische klinische Umsetzung von Yoga bei MS zu rechtfertigen, und zukünftige Forschung sollte sich auch mit den Einschränkungen der kleinen Stichprobengröße und dem Risiko von Verzerrungen befassen. Solche zukünftigen Forschungsbemühungen würden unser Wissen über die zugrunde liegenden Mechanismen von Yoga in der MS-Behandlung verbessern und es Yogatherapeuten ermöglichen, effektivere Interventionen zu entwickeln.

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